Dorfgeschichte

Ober-Schmitten im Wandel der Zeiten

 

Mit den Waldschmieden fing es an ...
Von der Luppe zum Amboß ...

Die Geschichte Ober-Schmittens ist sehr eng mit der Eisengewinnung und Papierherstellung verbunden.

Als Gründer kommen die sog. „Waldschmiede“ in Betracht, die im Niddatal in primitiver Arbeitsweise den Vogelsberger Brauneisenstein zu Erz verhütteten. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Ober-Schmitten im Kopialbuch des Klosters Hirzenhain im Jahre 1449. Im Spiegel archäologischer Quellen kennt man jedoch Nidda und seine Umgebung bereits aus der Jungsteinzeit (ca. 5500 bis 2000 v. Chr.). Hügelgräber unbekannter Zeitstellung aus Ober-Schmitten („Am Breitkopf“) und anderen Niddaer Stadtteilen sind dieser Epoche zuzurechnen.

Die von den Waldschmieden gesammelten Eisensteine (Lesesteine wurden in Schmelzöfen (Rennherde) bis zur Weißglut in einem Rennfeuer erhitzt. Nach Erkalten war das Ergebnis dieser Rennarbeit (von: Zerrinnen) ein teigiger Eisenklumpen, den die Schmelzer „Luppe“ (von lat.: lupus = Wolf) nannten. Aus dieser – teilweise noch glühenden Luppe schlug man die Verunreinigungen heraus und hatte so schmiedbares Eisen. Pflugschare, Eisenstäbe, Hufeisen, Nägel, Sicheln und anderes Gerät wurden aus dieser schmiedbaren Luppe hergestellt.

Aus der Tätigkeit dieser Waldschmiede (althochdeutsch = smitta) läßt sich daher unschwer der Ortsname Ober-Schmitten ableiten.

Diese „Oberste“ und „Unterste Waldschmitte“ des Jahres 1449 bildeten die Grundlage für die die spätere Entwicklung der Dörfer Ober- und Unter-Schmitten.

Mit Aufkommen der Hochöfen, wo flüssiges Erz gewonnen wurde, verloren die Waldschmieden ihre Bedeutung. Im Jahre 1630 stellte der letzte Eisenhammer auf dem Gelände der heutigen Firma HERA Papierbverarbeitung (früher Firma Staffel) seine Tätigkeit ein.

Wenn es heute im Volksmund heißt, „auf die Schmitte“ gehen, so wird damit auf die Tätigkeit der früheren Waldschmiede in überlieferter Form hingewiesen.

 

Es folgten die Papiermühlen ...
Vom Holländer zum Spezialpapier ...

Auf dem Gelände des letzten Eisenhammers wurde mitten im 30jährigen Krieg (1632) eine Papiermühle errichtet. Diese „Oberste Wladsmytte“ kann für sich sozusagen das Erstgeburtsrecht für die Ober-Schmittener Papierindustrie in Anspruch nehmen.

Die Mühle lag bald still, denn das entvölkerte Land war nicht in der Lage, der Mühle die nötigen „Hadern“ (Lumpen) als Rohstoff zuzuführen. Ober-Schmitten hatte unter dem großen Krieg sehr gelitten, nach Kriegsende (1648) zählte man nur noch knapp 100 Einwohner.

Die „Herrenmühle“ und die darüber gelegen Mühle, die jetzige Spezialpapierfabrik Obrer-Schmitten GmbH, früher Moufang’sche Papierfabrik, überstanden die Kriegszeiten besser und waren damals Mahlmühlen für Getreide.

Die Papiermühle von 1632 – am Dorfausgang nach Nidda gelegen – wurde seit 1683 von dem Papiermacher Rudrauf betrieben. Aufgrund des Erbleihbriefes von 1692 gehörten die Ämter Nidda, Schotten, Stornfels, Bingenheim und Lißberg zum Bereich dieser Papdiermühle, die als Rohstoff weiterhin Lumpen verwandte.

Unter Niklas Kraut und Diehlmann sowie nachfolgend Balthasar Illig kam die Papiermühle weiter in Schwung.
1741 wurde die Papiermühle von Johann Georg Mattfeld übernommen; ab 1779 wurde sie von seinem Sohn Jakob geleitet.

An die Spitze des stark vergrößerten Unternehmens trat 1805 Wendel Schneider aus Stockstadt, ein Neffe von Johann Georg Mattfeld. Wendel Schneider betrieb nebenbei noch einen schwunghaften Weinhandel und soll über ein riesiges Barvermögen, man spricht von 90.000 Gulden, verfügt haben.

Um jedem seiner beiden Söhne, Wilhelm und Friedrich, eine Papierfabrik zu hinterlassen, erwarb der nunmehr zum Kommerzienrat gewordene Wendel Schneider 1827 die Mahlmühle über der Herrenmühle und ließ das Anwesen mit ziemlichen Kosten zu einer zweiten Papiermühle umbauen.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite entstand das heute noch erhaltene repräsentative Wohnhaus mit Garten.


Wohnhaus des Kommerzienrates Schneider von 1828

Als die Produktionsanlagen am 6. Juni 1828 in Betrieb gingen, besaß die Familie Schneider zwei moderne Papierfabriken. Eine firmierte als Kommerzienrat W. Schneider, die andere als Gebrüder Schneider. Erstere spezialisierte sich auf Postpapier, sog. Baseler Konzept und Löwen-Schreibpapier; die letztere auf Endlospapier, ein weißes, blaues und graues Maschinenpapier.


Historische Darstellung der Firma Spezialpapierfabrik Ober-Schmitten GmbH

Als der Hessen-Darmstädtische Gewerbeverein im Jahre 1839 seine zweite Gewerbeausstellung veranstaltete, ging eine Silbermedaille an den Papierfabrikanten Schneider aus Ober-Schmitten. In der Laudatio hieß es, „ihm schreibe man das Verdienst zu, die Fabrikation des endlosen Papiers im Großherzogtum zuerst eingeführt zu haben“. Papier bestimmte fortan das Geschehen in Ober- und Unter-Schmitten, die mit dieser neuen Technologie als Pioniergründungen in der modernen hessischen Papierindustrie zu bezeichnen sind.

Wendel Schneider war nicht nur als Fabrikant aktiv, sondern auch anderswo viel beschäftigt. Bei der Wahl zur Frankfurter Nationalversammlung 1848 war er als Ausschußvorsitzender des heimischen „provisorischen Wahlcomités“ tätig; er war einer der besten Steuerzahler im Amt Nidda und gehörte der sog. „Oberschicht“ an. Er ging auch zu Kur in das nahegelegene Bad Salzhausen. In der „Curliste“ des Jahres 1847 erscheint er dort als Kurgast Nr. 180.

1847 starb sein Sohn Friedrich Schneider; Wendel Schneider folgte ihm 1851 im Alter von 77 Jahren.

Durch den Verkauf des bäuerlichen Betriebsteils, die absinkenden Papierpreise und die teuere Umstellung vom handwerklichen zum maschinellen Betrieb gerieten die Papierfabriken in immer größer werdende finanziellen Schwierigkeiten. Die Eigentümerfamilie Schneider hatte sich schrittweise aus den Papierfabriken zurückgezogen, und den Nachfolgern fehlte es an Glück. Der Inhaber der Oberen Papierfabrik und der Herrenmühle, der in den Jahren 1865 – 1873 über 80.000 Gulden in den Ankauf und die Mechanisierung des Betriebes gesteckt hatte, geriet 1873 mit seiner neuen Papiermaschine voll in den Sog der abflauenden Konjunktur und mußte 1876 Konkurs anmelden.

Neue Besitzer wie Krebsschmitt und Theißen auf der „unteren“ und Hammerschmidt und Jäger auf der „oberen“ Fabrik konnten auch den Niedergang nicht aufhalten. Sie waren 1890 am Ende.

 

Die Gründungswelle – es geht wieder aufwärts

Nach einer zweijährigen Arbeitspause durchlief eine wahre Gründungswelle das Heutige Niddaer Stadtgebiet.

Den Anfang machten noch in den Krisenjahren die Papierfabriken in Ober- und Unterschmitten. 1891 wurde die obere Papierfabrik von Wilhelm und Josef Moufang aus Hochheim erworben, ein Jahr später die untere Papierfabrik von der Firma Louis Staffel übernommen. Diese betrieb bereits seit 1863 eine Papierfabrik in Witzenhausen. Betriebliche Verbesserungen, Spezialisierung und ansteigende Papierpreise brachten endlich die langsame, aber steigende Aufwärtsentwicklung.

Auch die Bevölkerung Ober-Schmitten war stetig gewachsen. Von 308 Einwohnern im Jahr 1806 war sie auf 494 Personen im Jahr 1910 geklettert.

Am 2. April 1892 lief der Betrieb der „Papierfabrik Ober-Schmitten W. & J. Moufang“ mit 40 Arbeitern. Aus ihr, der oberen Papiermühle, entstand 1913 eine Familien-Aktiengesellschaft. Sie spezialisierte sich auf hochwertige Papiere und trug den Namen „Ober-Schmitten“ durch einen starken Export in alle Welt hinaus.

Nach dem Tod des Firmengründers Josef Moufang (1940) traten dessen Söhne, Fritz und Franz, in die Firmenleitung ein. Sie machten sich in Ober-Schmitten nachfolgend um das kulturelle Leben verdient und traten insbesondere als Förderer auf. Sie schieden 1967 aus der Firmenleitung aus. Innerhalb der Papierfabrik hatte sich mittlerweile die seit 1922 bestehende Abteilung „P“ zur Firma Maria Soell verselbständigt. Sie wurde 1957 nach Eichelsdorf ausgegliedert, wo man das frühere Sägewerk Himmelsbach erworben und anschließend Produktionshallen und sonstige Betriebsgebäude errichtet hatte.

Firma Himmelsbach ca. 1900 – heute steht auf diesem Gelände die Maria Soell GmbH

In die Geschäftsleitung der Maria Soell GmbH trat 1968 die Tochter von Fritz Moufang, Marianne, ein. Ihre Schwester, Gerda Moufang, hatte mittlerweile Graf von Deym geheiratet, der seit 1957 der Geschäftsleitung der W. & J. Moufang AG angehörte und am 1. Januar 1968 deren Vorsitz im Vorstand übernommen hatte.


Firma Maria Soell GmbH

Als weiteres Standbein der Unternehmensgruppe wurde 1979 die Kopafol Elektrofolien GmbH gegründet, die auf dem Betriebsgelände im Erbbauwege 1980 und 1986 zwei Produktionshallen errichtet


Spezialpapierfabrik Ober-Schmitten GmbH und Kopafilm GmbH

Die Maria Soell GmbH wurde 1985 an die Fa. Händler und Nattermann, eine Tochtergesellschaft der Frankfurter Metallgesellschaft, veräußert. Nach betrieblichen Turbulenzen und einer größeren Entlassungswelle erfolgte 1989 der Erwerb durch Graf von Deym, so daß nunmehr in der Firmengruppe die Papierfabrik Ober-Schmitten GmbH, die Kopafol Elektrofolien GmbH und die Maria Soell GmbH vereint waren. Alle Firmen nahmen eine gut Entwicklung; in beiden Standorten wurden insgesamt 560 Mitarbeiter beschäftigt.

Die untere Mühle betrieben seit 1894 die Brüder Louis und Eduard Staffel. Sie gliederten 1904 ihren Betriebsstätten in Witzenhausen und Unter-Schmitten noch das Hadernhalbstoffwerk Peschelmühle bei Dresden an. Überregional bekannt wurde die Firma Staffel durch den Druck von feinen Dokumenten- und Schreibpapieren sowie den Druck von Papieren für Reichsbanknoten, Wertpapieren und Briefmarken. Durch Todesfälle in der Familie gingen die Staffelschen Werke in Ober-Schmitten und Witzenhausen 1963 in den Besitz der Firma Temming in Glückstadt über. 1967 wurde die Fabrik stillgelegt. Sie diente anschließend mehrere Jahre als Zweigbetrieb der Ranstädter „Hassia-Verpackungen“. Heute ist sie im Besitz der „ Hera Papierverarbeitung Puttrich GmbH & Co. KG“, einem Druckerei- und Papierverarbeitungsbetrieb.

HERA Papierverarbeitung Puttrich GmbH & Co. KG

 

Entwicklung von Wirtschaft und Handel

Bis zu den Anfängen seiner Entstehung war Ober-Schmitten ein Dorf mit einer armen Bevölkerung gewesen. Besonders im 17. Und 18. Jahrhundert ging es der Gemeinde sehr schlecht. Sie verfügte weder Wald noch Feld als Gemeindebesitz. Verarmte Bauern, ein rückläufiges Handwerk und am Hungertuch nagende Leinweber und Lumpensammler gaben dem Dorf das Gepräge.


Bäckerei Hensellek - Gebäude aus dem Jahr 1632

Obwohl bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts die Gemeinde keine Schulden hatte, wurde man im 7jährigen Krieg (1756 – 1763) und den nachfolgenden französischen Kriegen stark geplündert, und es entwickelte sich eine starke Verschuldung. So mußte z.B. der Nachtwächter im Jahre 1814 acht Jahre lang auf seinen Spießlohn warten. Überall herrschte Teuerung, und wegen rückständiger Zinsen wurde die Gemeinde mehrmals verklagt, und der Pfandmeister war ständiger Gast im Dorfe Ober-Schmitten.

Auf Drängen des Amtes Nidda übernahm schließlich Wilhelm Schneider, Sohn des wohlhabenden Kommerzienrates Wendel Schneider, 1837 das Amt des Bürgermeisters. Und es ging aufwärts. Ortsstraßen wurden ausgebessert und Oberflächenwasser über Gräben in die Nidda geleitet. Wie schrieb der Chronist: „Ein frischer Wind beginnt zu wehen ... das Dorfbild ist freundlicher geworden ...“

Eines der ältesten Fachwerkhäuser von 1616

Bis 1856 gab es in Ober-Schmitten noch keine Brücke über die Nidda. Die Fahrzeuge bewegten sich durch das Bachbett mittels einer Furt; die Fußgänger hatten einen kleinen Steg. Die dann erbaute Holzbrücke 1878 durch eine eiserne Brücke ersetzt. Seit 1935 steht die jetzige Bogenbrücke.

1904 gab es in Ober-Schmitten erstmals elektrisches Licht, das von der Papierfabrik Moufang für die Dorfstraße, Schule und die Gasthäuser geliefert wurde. 1912 erfolgte der Bau der Wasserleitung, und 1888 war die Eröffnung der Bahnlinie Nidda – Schotten. Diese Strecke entsprach einem volkswirtschaftlichen Bedürfnis und sicherte die Existenz der Papierfabriken in Ober- und Unter-Schmitten sowie des Sägewerkes Eichelsdorf, das die 1873 gegründete Firma Josef Himmelsbach (Freiburg im Breisgau) dort 1882 errichtet hatte. Eine Posthilfsstelle mit Telefonanschluß wurde 1894 in Ober-Schmitten errichtet.

Durch eine Verwaltungsreform wurde 1874 der Kreis Nidda aufgelöst, und Ober-Schmitten, Eichelsdorf und andere Dörfer wurden dem Kreis Schotten zugeschlagen.

Die Konjunkturphase der Jahre 1894/1895 löste in Nidda und Ober-Schmitten einen gewaltigen Entwicklungsschub aus. In einem Zeitungszitat des Jahres 1897 heißt es: “Einen mächtigen Aufschwung hat unsere Vaterstadt genommen. Unsere Bevölkerungszahl wächst fortgesetzt, neue Straßen sind entstanden, weitere im entstehen begriffen. Die jüngst eröffneten Bahnen haben uns entbehrte Verbindungen geschaffen und führen uns den Verkehr größerer Teile der Provinz zu. Der Stillstand, der zu lange auf uns gelastet hat, ist gewichen ... Überall zeigt sich ein kräftiges Aufblühen“.

Aus dieser günstigen Entwicklung des Verkehrsstandortes Nidda profitierte auch Ober-Schmitten. Die Bimmelbahn Nidda – Schotten fuhr mitten durch die heutige Taunusstraße und Rhönstraße zum Bahnhof bei der Firma Moufang. Sie beförderte Güter und Menschen gleichermaßen. Seit 1959 ruhte dann der Personenverkehr. 1961 wurde die Bahnstrecke gänzlich stillgelegt und abgebaut. Heute befördern Omnibusse, LKW und PKW Menschen und Güter. Man ist beweglicher geworden.

 

Die Weimarer Republik und das Dritte Reich

In dieser Zeit – zwischen 1919 und 1933 – versuchte sich die heimische Bevölkerung zu orientieren. Es entstanden politische Organisationen, Parteien, Vereine und sonstige Gruppierungen. Die Reichstagswahlen vom 6. Juni 1920 brachten einen gewissen Rechtsdruck, durch den vor allem das bürgerlich-konservative Lager gestärkt wurde. In Ober-Schmitten und Eichelsdorf sowie anderen Industriestandorten wählte man fast zu 50 % links.

Große Zustimmung in der Bevölkerung fand der am 1. Mai 1921 in Nidda durchgeführte Demonstrationszug für Weltfrieden und Völkerverständigung, bei dem die Arbeiterschaft von Nidda und Umgebung - besonders aus Ober-Schmitten – ein imposantes Aufgebot an Menschen zusammengebracht hatte“, so der Niddaer Anzeiger in einem Bericht. Überhaupt entwickelte die Arbeiterschaft in Nidda und seinem Umfeld erhebliche Aktivitäten. Höhepunkte waren die Maifeier der SPD Nidda und des Schmitter Grundes in Nidda im Jahre 1922.

Bald stellte sich ein rapider Währungsverfall ein; die Notzeit trieb 1923 dem Höhepunkt zu. Die gesamte Wirtschaft und Währung des Reiches waren zerrüttet. Infolge der Zahlungsmittelknappheit hatte die Papierfabrik Moufang in Ober-Schmitten Geldscheine im Wert von 10, 20 und 50 Milliarden ausgegeben, mit einer befristeten Gültigkeit bis zum 15. November. Die im Auftrag der Stadt Nidda auf blauem Papier gedruckten Scheine waren in kürzester Zeit vergriffen.

Anfang Februar 1926 musste die Staffelsche Papierfabrik vorerst stillgelegt werden. Die arbeitslos gewordenen Menschen, die hauptsächlich in Ober- und Unter-Schmitten wohnten, wurden von der Gemeinde mit Steinklopf- und Wegearbeiten beschäftigt.

Mit der Reichstagswahl 1928 traten die Nationalsozialisten auf den Plan, deren Tätigkeit durch die Weltwirtschaftskrise begünstigt wurde. Die Hessischen Landtagswahlen am 15. November 1932 ergaben bereits einen überwältigenden Erfolg der Nationalsozialisten. Konsequent und stetig bauten sie in Nidda und Umgebung ihre NS-Organisationen auf. Bei den Juli- und Novemberwahlen 1932 sowie im März 1933 wählten die Ober-Schmittener überwiegend die Sozialdemokraten und erteiltenstets der NSDAP eine Abfuhr.

Mit dem Ermächtigungsgesetz, dem Boykott gegen die jüdische Bevölkerung und ihre Geschäfte und einer Gleichschaltungswelle bei den Vereinen setzte das NS-Regime seine unheilvolle Herrschaft fort. Der Arbeitslosigkeit wurde durch einen „freiwilligen Arbeitsdienst“ und der Einrichtung eines Niddaer Arbeitsdienstlagers begegnet. Teilweise wurden die Arbeitslosen in der heimischen Industrie „freiwillig“ dienstverpflichtet, so etwa im Sägewerk Himmelsbach, bei der Papierfabrik Staffel usw.

Bei der Reichstagswahl und der Völkerbundabstimmung am 12. November 1933 zeichnete sich deutlich der totale Staat und das totalitäre System ab. Nidda und seine Umgebung waren in dieser Zeit ein ganz „normaler Ort“ in Oberhessen, mit allen Stärken und Schwächen. Seine Bevölkerung richtete sich den Zeitumständen entsprechend ein. Die führenden Schichten und Organisationen, soweit sie noch vorhanden waren, akzeptierten nach und nach die Herrschaft der NSDAP und deren Dialogverzicht mit Andersdenkenden. Die Bürgerinnen und Bürger wählten die Nationalsozialisten; für die vielen kleinen Ungerechtigkeiten und Intoleranzen hatte man bald kein Gespür mehr. In dieser Atmosphäre des Mitläufertums konnte sich ein Unrechtsbewußtsein nur schwer behaupten.

Der nationalsozialistische Alltag in Nidda und seinen umliegenden Gemeinden wurde nach Kriegsbeginn am 1. September 1939 immer ärmer, insbesondere die propagandistischen Großveranstaltungen und Menschenansammlungen nahmen stetig ab. Soldaten gehörten in Nidda seit längerer Zeit zum prägenden Bild. Dies hatte seine Ursache im Flugplatz Harb. Dort hatten bereits im Sommer 1935 Rodungsarbeiten für einen Flugplatz begonnen, der ab 1939 dem Jagdgeschwader Richthofen zur Verfügung stand. Der Flughafen wurde mehrfach bombardiert, außer leicht auszubessernden Schäden am Rollfeld entstand jedoch kein weiterer Schaden.

Mit dem Einmarsch der Amerikaner am 28. März 1945 ging für Nidda und sein Umfeld das 1000jährige Reich zu Ende.

 

Die Zeit nach 1945
Nachkriegsjahre und Wirtschaftswunder

Auch an Ober-Schmitten ging der zweite Weltkrieg nicht spurlos vorüber. 33 Kriegstote und 4 Vermißte waren zu beklagen. In den letzte Kriegsjahren hatte bereits eine Reihe von Evakuierten aus benachbarten, bombengefährdeten Städten, meist mit freund- und verwandtschaftlichen Bindungen, in Ober-Schmitten eine Bleibe gefunden. Im Mai und August 1946 kamen verstärkt Heimatvertriebene an. Ihnen wurde geholfen; Brot und Arbeit fanden sie in den Papierfabriken oder im Bereich der Landwirtschaft. Wohnungsmäßig rückte man zusammen und schuf in manchem Dachgeschoß eine vorübergehende Wohnung.

Die Gemeinde baute zwei Vierfamilienhäuser, Baugesellschaften traten auf den Plan, und es wurden Möglichkeiten der Grundstückserschließung eröffnet, die in den Jahren 1949 bis 1951 zu einer regen Bautätigkeit führten.

Mit Unterstützung aufgeschlossener Gemeinderatsmitglieder konnten die Bürgermeister Wilhelm Mogk und Helmut Schmollack dem Dorf eine vorbildliche Position unter den Gemeinden des westlichen Vogelsberges einräumen. Ober-Schmitten wurde dreimal Sieger im Dorfverschönerungswettbewerb (1956, 1957, 1958).

1951 erfolgte der Bau der „Josef-Moufang-Schule“. Am südöstlichen Ortsrand wurde 1956 die evangelische, am Nordrand 1952 die katholische Kirche mit Pfarrhaus gebaut. Mit der Errichtung des Bürgerhauses mit Kindergarten, Spielplatz und Kühlanlage wurde 1963 der Höhepunkt der kommunalen Aufbauarbeit erreicht.

Bürgerhaus

Der VfB Ober-Schmitten baute 1955 mit kommunaler Hilfe und Hilfe seiner Fachverbände seinen Hauptsportplatz. Der Ausbau des zweiten Sportplatzes und des Festplatzes erfolgten 1969.

1977 baute der neu gegründete Tennisclub seinen ersten Tennisplatz, dem er wenige Zeit später das Clubhaus und in 1981 den zweiten Tennisplatz folgen ließ. Durch das in den Jahren 1988/1989 umgebaute Bürgerhaus, das am 6. Januar 1990 eingeweiht wurde, die großzügig angelegten Sportanlagen, die Josef-Moufang-Schule und den im Bürgerhaus untergebrachten Kindergarten entstand ein vorbildliches Zentrum für Bildung, Kultur und Sport auf engstem Raum.

Die Wohngebiete am Westrand des Dorfes in Richtung Lohberg, beiderseits der Ulfaer Straße, sind weitgehend ausgebaut. Die zwischen Ober- und Unter-Schmitten verlaufende „Alte Frankfurter Straße“ ist in der ehemaligen Unter-Schmittener Gemarkung auch fast vollständig auf beiden Seiten bebaut, nachdem dort Kanalisation, Straßenbeleuchtung und Teerdecke fertiggestellt sind.

Alteingesessene erinnern sich noch wehmütig an Zeiten, als noch das Schottener Bimmelbähnchen durch den Ort fuhr.

Die Bimmelbahn auf der Rhönstrasse (B 455)

 

Das Schulwesen in Ober-Schmitten

Die Kinder von Ober-Schmitten waren bis 1750 in Eichelsdorf eingeschult. Sie mußten zu jeder Jahreszeit und jedem Wetter in unsere Nachbargemeinde gehen. Dies führte dazu, daß eine eigene Schule von der Bevölkerung lautstark gefordert wurde. Nachdem vorher teilweise Winterschullehrer tätig waren, wurde sodann 1821 eine Schule erbaut. Diese wurde 1891/1892 niedergelegt und von Grund auf neu errichtet. Als 1903 die Schulscheune zusammen mit einem Nachbargebäude niederbrannte, wurde nicht wiederaufgebaut, sonder Waschküche, Holzställe und Schülertoiletten hergerichtet. Nach mehreren Umbauten im Laufe der Jahrzehnte machten die steigenden Schülerzahlen einen großzügigen Neubau erforderlich, der am 7. Oktober 1951 feierlich eingeweiht wurde.


Die „alte Schule“ – heute eine Grünanlage

Das räumliche Zusammenwachsen von Ober- und Unter-Schmitten trug dazu bei, dass die Grundschüler des 1. bis 4. Schuljahres von beiden Stadtteilen in der Ober-Schmittener einzügigen Grundschule gemeinsam unterrichtet wurden. Aufgrund der Vorgaben des Schulentwicklungsplanes werden die Schüler ab der 5. Klasse seit dem 1. August 1976 nach Nidda zur Hauptschule oder anderen weiterführenden Schulen befördert.

Die Grundschule von 1951

 

Ober-Schmitten und sein reges Vereinsleben

Ober-Schmitten verfügt über ein reges Vereinsleben. 1907 wurde der Männergesangverein aus der Taufe gehoben; ihm folgte 1920 der VfB; und die Freiwillige Feuerwehr schloss sich 1933 an, nachdem zuvor eine Pflichtfeuerwehr bestanden hatte. Die Theatergemeinschaft besteht seit 1963, die Vogelschutzgruppe seit 1974, und 1977 wurde der Tennisclub gegründet. Seit dem 1. April 1985 sind diese Vereine unter der Dachorganisation der Vereinsrings zusammengeschlossen, dessen Gründungsvorsitzender Waldemar Döll war. Ihm folgte Adolf Prasse. Heute steht Bodo Eckhardt dem Vereinsring vor.

Dass man auch im fortgeschrittenen Alter noch aktiv sein kann, beweist der 1992 gegründete Seniorenclub Ober-Schmitten, der sich mit der Erstellung eines Archives für Ober-Schmitten dankenswerterweise ein arbeitsintensives und hohes Ziel gesetzt hat.

 

Das Ober-Schmittener Wappen

Wie auch andere Gemeinden hat Ober-Schmitten ein eigenes Wappen. In ihm sind die Symbole – Schmiedewerkzeug und Papier – enthalten, die von jeher die Geschichte des Dorfes bestimmten.

In der Wappenbeschreibung, die in der Verleihungsurkunde des Hessischen Innenministeriums gegeben wurde, heißt es: „Im goldenen Schildhaupt eine linksgewendete, rote Schmiedezange einen roten Nagel fassend, darunter im schwarzen Schild drei silberne Schriftrollen“.

Das Wappen wurde am 28. Januar 1966 vom damaligen Innenminister Schneider verliehen, und es ist nicht verwunderlich, daß die Gemeindevertreter bei der langwierigen Suche nach Symbolen für das Gemeindewappen die Waldschmiede, Zange und Nagel, die Zugehörigkeit zur Grafschaft Ziegenhain-Nidda (die Farben Schwarz/Gold) und das Papier in ihrem Wappen vereinigen ließen.


 

Das Gemeindewappen von Ober-Schmitten

 

Ober-Schmitten und die Großgemeinde Nidda

Der Großgemeinde Nidda trat Ober-Schmitten am 1. Dezember 1970 bei. Heute zählt der Niddaer Stadtteil Ober-Schmitten 1020 Einwohner. In der fast 38jährigen Zugehörigkeit zur Großgemeinde konnten in der vor dem Zusammenschluß schon sehr finanzkräftigen Gemeinde zahlreiche Investitionen getätigt werden, die erkennen lassen, daß die von der früher selbständigen Gemeinde praktizierte Tendenz, das Dorfbild und die Infrastruktur in der Gemeinde auf dem modernsten Stand zu halten, auch in der Großgemeinde fortgesetzt wurde. So wurden ein Hochbehälter neu gebaut, das Bürgerhaus mit Kindergarten und Spielplatz mit großem Kostenaufwand renoviert, Zuschüsse für Sportanlagen und Wäscherei zur Verfügung gestellt. Weitere Mittel flossen in den Straßen- und Feldwegebau, die Erneuerung der Kanalisation und Wasserleitung sowie in die Erschließung und Fertigstellung des Baugebietes „Im Bischofsfeld“.

Die heimische Bevölkerung, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Firmengruppe der Ober-Schmittener Papierfabriken und deren Familien traf es wie ein Schlag und Blitz aus heiterem Himmel, als am 14. Juli 1993 Antrag auf Eröffnung des Vergleichsverfahrens und am 31. August 1993 das Anschlußkonkursverfahren eröffnet wurde.

Hauptaugenmerk richtete daher der seit Mai 1993 im Amt befindliche Ortsbeirat Ober-Schmitten um Ortsvorsteher Waldemar Döll darauf, den Erhalt der Arbeitsplätze in dieser Firmengruppe zu sichern und für eine Fortführung der Unternehmen einzutreten.
Dank dem umsichtigen Verhalten und Taktieren der Konkursverwaltung wurde bald für die Maria Soell GmbH ein Käufer aus Düren gefunden. Nunmehr firmierte sie unter der Bezeichnung Maria Soell Beteiligungs GmbH & Co. KG Vertriebsgesellschaft.
Als Nachfolgegesellschaften der Ober-Schmittener Papierfabrik und Spezialpapierfabrik Kopafilm wurden im Januar 1995 die Spezialpapierfabrik Ober-Schmitten GmbH und die Kopafilm Elektrofolien GmbH errichtet.

Mit der Gründung eines Seniorenbeirates im November 1992 und anschließend der Gründung eines Senioren-Clubs Ober-Schmitten erfuhr die Ober-Schmittener Vereinslandschaft eine weitere Bereicherung.
Mit regelmäßigen Zusammenkünften, Ausflugsfahrten, Dia-Vorträgen, Wanderungen und weiteren Angeboten wurden für die älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger vielfältige Angebote unterbreitet.
Insbesondere widmete sich Vorsitzender Helmut Schmollack dem Dorfarchiv und arbeitete die Dorfgeschichte in vielen Kapiteln auf. In unterhaltsamen und informativen Ausstellungen sowie Dia-Vorträgen wurde seine mustergültige Arbeit der Bevölkerung vorgestellt.

Im Januar 1994 beginn die Ober-Schmittener Theatergemeinschaft, mit „Theaterpapst“Kurt Hardt an der Spitze, ihr 30jähriges Bestehen. Dieses wurde in einer schlichten Feierstunde gefeiert.

Auch der Ober-Schmittener Kegelclub „Alle Neune“ um die Vorsitzende Erika Uhl bestand 30 Jahre.

Daneben konnte der Fliegersportclub „Roter Milan“, der in Ober-Schmitten seine Wurzeln (Initiator und Gönner Fritz Moufang, Vorsitzender Michael Ruck) und auf dem Niddaer Hermes sein Fluggelände hat, auf sein 40jähriges Bestehen zurückblicken.

Unter der Leitung des Vereinsringes boten die Ober-Schmittener Narren an Fastnacht 1995 wieder Exzellentes. Es war „Alles Palletti“.

Im Juni 1995 feierte der VfB Ober-Schmitten mit einem tollen sportlichen und kulturellen Programm sein 75jähriges Jubiläum.
Mit Eberhard und Stefanie Hertel sowie Florian Silbereisen waren bekannte Größen der Volksmusik in Ober-Schmitten zu Gast.

Es soll im Innern hell und von außen lieblich sein“, mit diesem Zimmermannspruch wurde im April 1997 der Rohbau des Pfarrhauses der evangelischen Kirchengemeinde Ober-Schmitten/Eichelsdorf in Eichelsdorf fertiggestellt. Im Oktober 1997 wurde das Pfarrhaus dann seiner Bestimmung übergeben.

90 Jahre Männergesangverein Ober-Schmitten wurden im Mai/Juni 1997 glanzvoll gefeiert. Mit dem 30jährigen Andreas Prasse übernahm kurze Zeit später der jüngste Vorsitzende in der Geschichte des Vereins das Amt des 1. Vorsitzenden.

Sein 20jähriges Bestehen beginn der Tennisclub Ober-Schmitten im Juni 1997, bei dem besonders der Vereinsgründer und langjährige 1. Vorsitzende, Karl-Heinz Schmollack, geehrt wurde.

Mit einem gelungenen Fest wurde Karl-Heinz Basenau, der 30 Jahre lang als Schulleiter der Ober-Schmittener Grundschule wirkte, verabschiedet. Er hatte ganze Schülergenerationen geprägt und sich daneben noch um die Kulturpflege seiner oberhessischen Heimat einen Namen gemacht.

Das Papiermacherdenkmal des Papiermachers Friedrich Jacob Mattfeld fand nach über 190 Jahren vor dem Ober-Schmittener Bürgerhaus seinen endgültigen Standort. Zur Einweihung trafen sich SPO-Geschäftsführer Ernst Lenger, Dorfchronist Helmut Schmollack, Ortsvorsteher Waldemar Döll und Ortsbeirat Herbert Jung am Denkmal.

Karnveval im Zirkuszelt“ hieß das Motto des Ober-Schmittener Faschingstreibens im Februar 1998. Der närrische Bazillus war durch nichts mehr aufzuhalten.

Die Eichelsdörfer Maria Soell Papierveredlung fand mit dem Schweizer Marco Billeter in ihrer bewegten Firmengeschichte im Juni 1998 einen neuen Übernehmer.

Mit einem festlichen Erinnerungsgottesdienst wurde im September 1998 der Einweihung der evangelischen Kirche vor 40 Jahren gedacht.

Im Januar 1999 bestand die Natur- und Vogelschutzgruppe Ober-Schmitten 25 Jahre.
Eine sog. „Schnörgelbiege“ konnte nicht vom Aussterben bewahrt werden,.

Große Freude und ehrlicher Stolz herrschte im Mai 1999, als die Ober-Schmittener Spezialpapierfabrik den ersten Preis des „Commerzbank/Impulse-Umweltwettbewerbes“ gewann. Umweltschutz und Ökonomie wurden beim Ober-Schmittener-Konzept in besonderer Weise in Einklang gebracht und dadurch mit dem ausgelobten Preisgeld bedacht.

In der Rekordzeit von nur vier Monaten wurde der Ober-Schmittener Kindergarten durch die Umwidmung einer leerstehenden Wohnung erweitert. 70 Normalplätze und ein Integrationsplatz standen nunmehr zur Verfügung. „In Ober-Schmitten können die Eltern jetzt auf das umfassendste Kindergartenangebot ganz Niddas zurückgreifen“, unterstrichen Bürgemeisterin Lucia Puttrich und Ortsvorsteher Waldemar Döll bei der Einweihung im September 2000.

Mit „Zoff über`n Zaun“ bot die Ober-Schmittener Theatergemeinschaft im November 2000 wieder ein Theaterstück, das in oberhessischer Mundart hellauf begeisterte.
Der Macher der Theatergemeinschaft und „oberhessische Papst des Theaterspieles“, Kurt Hardt, wurde für seinen beispielhaften Einsatz um Kultur, Ehrenamt und Politik im Dezember 2000 mit den Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.

In gleicher Weise wurde im März 2001 der Ober-Schmittener Ex-Bürgermeister, Vorsitzende des Seniorenclubs und Dorfarchivar, Helmut Schmollack, geehrt. 1. Kreisbeigeordneter Bardo Bayer meinte bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande: „Menschen wie er haben diese Republik mitgebaut und durch ihr Engagement ein festes Fundament für das Gemeinwesen gegossen“.

Im Rahmen der Kommunalwahlen vom März 2001 wurde Adolf Prasse für Waldemar Döll als neuer Ortsvorsteher gewählt.
Die Jahreshauptversammlung des Vereinsringes Ober-Schmitten im Mai 2001 bestätigte Adolf Prasse gleichfalls erneut als 1. Vorsitzenden und Sitzungspräsidenten der jährlichen Fastnachtssitzungen.

Ihr 50jähriges Bestehen feierte die Ober-Schmittener Josef-Moufang-Schule im November 2005 im Bürgerhaus Ober-Schmitten. Schulleiterin Ulrike Humbroich und der Vorsitzende des Elternbeirates, Kay Keuchel, hatten ein tolles Programm zusammengestellt.

Meer und Mehr“ hieß das Motto des Vereinsringes Ober-Schmitten, der im Februar wieder mit gelungenen Fastnachtssitzungen glänzte.

Der Regierungssprecher und Staatssekretär der Hessischen Landesregierung, Dirk Metz, kam im März 2002 nach Ober-Schmitten und zeichnete Waldemar Döll mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande aus.
Sie sind ein Aktivitätszentrum, stets auf Ballhöhe und ein Motor im Ehrenamt, auf das unsere Gesellschaft nicht verzichten kann“, meinte er in seiner Laudatio.

Mit einem Festkommers, Tanzabend und Frühschoppen beginn der Tennisclub Grün-Weiß Ober-Schmitten im Juni 2002 sein 25jähriges Bestehen. Vorsitzender Ingo Thonig konnte viele Ehrengäste aus Sport und Politik begrüßen. Chronist Waldemar Döll hielt eine bemerkenswerte Festrede.

Die Ober-Schmittener katholische St. Stephans-Gemeinde feierte im August 2002 ihr 50. Kirchweihjubiläum mit Weihbischof Wolfgang Rolly aus Mainz.

Einen besonderen musikalischen Höhepunkt stellten die 1. Ober-Schmittener Musiktage im September 2002 im Ober-Schmittener Steinbruch dar. Das Open-Air-Konzert mit der „Herrlichen Bockband“, das Kinder- und Jugendchortreffen des Niddatalsängerbundes, der Konzertabend und der ökumenische Gottesdienst sowie der anschließende Frühschoppen mit den „Heegheimer Musikanten“ boten gesangliche Leckerbissen für Jung und Alt.

Auf 175 Jahre Papierherstellung konnte die Ober-Schmittener Papierfabrik im Juni 2003 zurückblicken. „Trotz des noch andauernden Konkursverfahrens und einem Exportanteil von etwa 70 v. H. haben wir uns auf dem Weltmarkt behauptet. Darauf können wir mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sehr stolz sein“, so SPO-Geschäftsführer Ernst Lenger in seinem Rückblick.

Die 2. Ober-Schmittener Musiktage im Juni 2004 brachten jede Menge Musik. Ein A-Capella-Konzert mit den U-Bahnkontrollören, einen Tag der Jugend mit „Xpress“, eine kulinarische Reise durch die Nacht und einen Tag der Dorfgemeinschaft bot diese Veranstaltung.

Insgesamt 420.000 Euro investierte die OVAG für einen Brunnen in Ober-Schmitten. „Dies ist ein weiterer Schritt zur Qualitätssicherung dieses wichtigen Lebensmittels“, meinten deren Vertreter (Dezember 2004).

Mit einer „Zeitreise“ beging der Vereinsring Ober-Schmitten seine närrische Kampagne im Februar 2005, dem Jahr seines 20jährigen Bestehens.
Bei dem von Sitzungspräsident Bodo Eckhardt witzig und charmant geleiteten Programm blieb kein Auge trocken.

Frühzeitig und mit einem 1: 0-Heimspielsieg konnten die Fußballer der FSG Ober-Eichel-Rain den Wiederaufstieg in die Bezirksliga im Mai 2005 sicherstellen.

Großes gesangliches und schauspielerisches Können zeigten die Musikmäuse und Musikids bei ihrem Musical „Freundschaft ist blau – oder?“im Juni 2005 im Ober-Schmittener Bürgerhaus. Toll was die Kleinen so auf die Beine gestellt hatten.

Ausgezeichnete Fußballkost wurde der heimischen Fußballwelt am 23. Mai 2005 in Ober-Schmitten geboten, als der Bundesligist VfB Stuttgart zu einem Freundschaftstreffen weilte. Der 8 : 1-Sieg für die Gäste war nebensächlich.

Nach 40 Jahren an der Spitze der Theatergemeinschaft Ober-Schmitten, die er mit großem Ehrgeiz, Einsatz und Spielfreude geführt hatte, gab Kurt Hardt im Juni 2005 sein Vorstandsamt in jüngere Hände. Erster Vorsitzender wurde Holger Kraft.

Mit einem „Ober-Schmittener Dorf-Sommer“ feierte der Vereinsring Ober-Schmitten im Juni 2005 sein 20jähriges Bestehen.

Pfarrer Hellmut Kern von der evangelischen Kirchengemeinde Ober-Schmitten/Eichelsdorf war im Juni 2005 seit mehr als 25 Jahren seelsorgerisch in beiden Gemeinden tätig. Das 25jährige Dienstjubiläum des Pfarrerehepaares Hellmut und Brigitte Kern wurde mit einem Pfarrfest in Eichelsdorf zünftig gefeiert. Kirchenvorsteher Waldemar Döll (Ober-Schmitten) würdigte das segensreiche Wirken des Ehepaares im Namen der beiden Kirchenvorstände.

Die ehemals selbständigen SPD-Ortsbezirke Eichelsdorf, Ober-Schmitten und Unter-Schmitten schlossen sich am 13. Juli 2005 zum SPD-Bezirk Nidda-Nord zusammen.
Adolf Prasse wurde 1. Vorsitzender.

Zum neuen Vorsitzenden des Vereinsringes Ober-Schmitten wurde am 20. Juli 2005 Bodo Eckhardt gewählt.

Eine stimmungsvolle Adventsandacht gestalteten die Chöre des MGV Ober-Schmitten im Dezember 2005 in der evangelischen Kirche. „Aus der Gemeinde für die Gemeinde“, lautete das Motto. „Wir lassen uns gemeinsam tragen vom Auf und Ab“.

Bei der Präsentation des Umbaues der Ober-Schmittener Trauerhalle am 9. Februar 2006 im Bürgerhaus zeigten nur wenige Bürger Interesse an diesem Bauvorhaben. Enttäuschend für alle.

Bei der Fastnachts-Sitzung des Ober-Schmittener Vereinsringes war kaum ein freier Platz zu ergattern. „Me bleiwe dahaam – denn auch zu Hause ist jede Menge los“, hieß das vielversprechende Motto.

Im März 2006 gab es einen Unternehmerwechsel bei der Fa. Maria Soell, Eichelsdorf. Marco Billeter veräußerte das Unternehmen an Stefan Steinmeier (Bielefeld).

Im Rahmen der Kommunalwahlen 2006 wurde für den scheidenden Adolf Prasse Klaus Hofmann als Ortsvorsteher an die Spitze des Ober-Schmittener Ortsbeirates gewählt.

Mit den neugewählten Stadtverordneten Willy Wirth, Klaus Hofmann, Bernd Lenz und Waldemar Döll (alle SPD) sowie Thomas Stock und Normen Zinsheimer (beide CDU) war der Stadtteil Ober-Schmitten in der Niddaer Stadtverordneten-Versammlung bestens vertreten.

Erneut glänzten die Kinderchöre des MGV Ober-Schmitten mit einem Pop-Musical.
Über 60 Akteure stimmten im Ober-Schmittener Bürgerhaus heitere und nachdenkliche Töne bei ihrer „unglaublichen Reise mit der Zeitmaschine“ an.

Fußballerische Leckerkost boten die Verantwortlichen der FSG und JSG Ober-Eichel-Rain mit einem nationalen Turnier für C-Jugend-Mannschaften am 26. August 2006 in Ober-Schmitten.
Sponsor und Mitorganisator Stefan Ußner, Unter-Schmitten, hatte mit dem Nachwuchs von Kickers Offenbach, SV Darmstadt 98, SV Wehen und Mainz 05 hochkarätige Jugendspieler in einem Turnierreigen vereint.

Das traditionelle Adventskonzert der örtlichen Chöre zog im Dezember 2006 zahlreiche Besucher in die Lutherkirche von Ober-Schmitten. Darbietungen auf höchstem Niveau und Facetten der Weihnachtsgeschichte wurden von Chorleiter Martin Schubert gekonnt musikalisch vermittelt.

Als Auftakt der Feierlichkeiten zum 100jährigen Jubiläum startete der MGV Ober-Schmitten mit einem glanzvollen Silvesterball in das Jahr 2007.
Der Jahreswechsel wurde stilvoll mit Magie, Menü und Gesang begonnen. Sigrid Freymann und Annette Henrich hatten mit viel Silber und ein wenig diskretes Schwarz den Ober-Schmittener Bürgerhaussaal zauberhaft dekoriert und ihn mit einer besonderen Note ausgestattet.

In der Position des Dorfchronisten gab es im Januar 2007 einen Wechsel. Nach 13 Jahren übergab Helmut Schmollack das Archiv von Ober-Schmitten an seinen Nachfolger Erwin Schnabel.
Das Alte zu erforschen und der Nachwelt zu erhalten“, war sein Motto gewesen. Während seiner verdienstvollen Tätigkeit hatte er mehr als 3.000 Seiten beschrieben, rund 2.000 Bilder gesammelt und dies in 122 Kapiteln niedergelegt.

Gestrandet in Ober-Schmitten“, lautete das Motto der vierstündigen Fremdensitzung des Vereinsringes Ober-Schmitten mit seinen bewährten Stimmungskanonen im Februar 2007.

Viel Prominenz hatte sich zum Kommers anlässlich des 100jährigen Bestehens des MGV Ober-Schmitten am 18. März 2007 im Bürgerhaus eingefunden.
Sich vom Singen durchs Leben begleiten lassen“, war der Tenor der Veranstaltung.
Helmut Schmollack erinnerte in seiner anschaulichen Festrede an die bewegte Vereinsgeschichte.

Im Mai/Juni 2007 feierte die Fußballspielgemeinschaft (FSG) Ober-Eichel-Rain in Eichelsdorf ihr 10jähriges und die Jugendspielgemeinschaft (JSG) der drei Vereine ihr 20jähriges Bestehen.
Mit festlichen und sportlichen Veranstaltungen (Dorfolympiade, Festkommers, Wettspiele) sowie einem Fußballcamp für die Jugendspieler wurden die Jubiläen der Fußballer zünftig gefeiert.

Mit Workshops und dem Konzert von „Carpe diem“, Deutschlands bestem Frauenchor, am 30. Juni 2007 im Kurhaussaal in Bad Salzhausen sowie dem nachfolgenden Singen im Park setzte der Ober-Schmittener Männergesangverein in seinem Jubiläumsjahr weitere Glanzlichter.
Ein ökumenischer Gottesdienst vor der Trinkkurhalle bildete den Auftakt des Sonntagsprogrammes, in dessen Verlauf viele befreundete Chöre auftraten.
Rund 1.000 Zuschauer fanden sich ein, um den gekonnten Darbietungen zu lauschen – ein gesanglicher Ohrenschmaus.
Fazit des Jubiläums lt. Kreis-Anzeiger: Der Chorgesang war totgesagt – es lebe der Chorgesang.


Stand: Juli 2007

Waldemar Döll

Quellen: 1950: Jean Diehl (Festschrift VfB); 1951: Jean Diehl (Festschrift Einweihung der Josef-Moufang-Schule); 1983: Karl-Heinz Basenau (Festschrift Freiwillige Feuerwehr); 1992: Prof. Dr. Ottfried Dascher (Nidda – die Geschichte einer Stadt und ihres Umlandes); Eigennotizen (seit 1969).

Donnerstag, 23. Februar 2012

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