Historie
75 Jahre Freiwillige Feuerwehr Nidda - Ober-Schmitten e.V.
Aus Anlass dieses schönen Geburtstags ein Rückblick mit den wichtigsten Ereignissen seit dem Bestehen.
Die Gründung
Hervorgegangen ist unsere Wehr aus der schon lange Zeit vor dem ersten Weltkrieg gebildeten Pflichtfeuerwehr.
Aus alten Unterlagen konnten wir entnehmen, daß am 01. Juni 1816 eine Instruktion an alle untergebenen Schultheisen (Bürgermeister) von der Großherzoglichen Hessischen Regierung in Gießen herausgegeben wurde, in der die Pflichten der Schultheisen bezüglich der Feuer-Polizey in den Paragrafen 34 bis 39 dargestellt wurden.
Die im Jahr 1820 von der Großherzoglichen Hessischen Regierung zugestellte Anweisung an die Gemeinde Ober-Schmitten, es solle eine Feuerspritze angeschafft werden, konnte aufgrund der Armut nicht befolgt werden. 1822 wurde der Druck von oben so groß, daß sich die Gemeinden Eichelsdorf, Ober-Schmitten, Unter-Schmitten, Kohden, Wallernhausen, Michelnau und Bellmuth gemeinsam eine Spritze anschafften, die in der Papierfabrik Staffel stationiert wurde.
1875 kaufte die Gemeinde ihre erste eigene Spritze.

1893 konnte sich die Gemeinde eine Saug- und Druckspritze leisten, die mit Vertrag vom 30. Juli 1893 bei der Firma Magirus in Ulm bestellt und einige Wochen später geliefert wurde.
1914 regelte eine neue Ortssatzung die Wasserversorgung in Ober-Schmitten. Es wurde eine neue Wasserleitung gebaut und die Feuerwehr erhielt einen Hydantenwagen.

Hydrantenwagen von 1914
Nach dem Weltkrieg musste die Wehr neu aufgebaut und organisiert werden.
Es war ein großartiger Tag für Ober-Schmitten, als die Pflichtfeuerwehr am 28. Juni 1933 in eine freiwillige Feuerwehr umgewandelt wurde.
Brände und große Einsätze
Die Pflichtfeuerwehr und mehr noch die spätere Freiwillige Feuerwehr bestanden manche Bewährungsprobe. Verschiedene male wurde die Wehr bei Bränden und Katastrophen eingesetzt.
So wurde die Wehr am 16. Dezember 1929 zum Löschen eines Brandes des Papierlagers der Papierfabrik Moufang alarmiert.
An gleicher Stelle kam die Wehr 1930 noch einmal zu einem zweistündigen Einsatz.
Am 26. April 1939 wurde die Wehr zur Bekämpfung eines Dachstuhlbrandes bei Hugo Döll gerufen. Hier wurde durch den Einsatz der Wehr wertvolles Gut in Sicherheit gebracht und der Brand nach 5 Stunden gelöscht.
Am 11. Oktober 1939 erfolgte der Einsatz der Wehr bei einem Großfeuer in Eichelsdorf. Die Alarmierung erfolgte kurz nach Mitternacht. Trotz dieser ungewohnten Alarmierungszeit konnte die Motorspritze schon eine halbe Stunde nach Feueralarm am Brandherd eingesetzt werden. Dies sollte als ein Zeichen für den hohen Ausbildungsstand und die stete Bereitschaft der Wehr gewertet werden.
Schon zwei Tage später erfolgte ein neuer Alarm. In der Papierfabrik Moufang war ein Hallenbrand ausgebrochen, der mit 14 Schlauchleitungen und einem modernen Schaumfeuerlöschgerät bekämpft und unter Kontrolle gebracht wurde.
Zweimal wurde die Wehr dann innerhalb eines Jahres, nämlich 1940, bei Hochwasser eingesetzt. Während am 9. Februar 1940 nur einige Keller infolge Hochwassereinbruchs ausgepumpt werden mußten, rettete die Wehr am 4. November des gleichen Jahres in 18stündigem Einsatz in den Häusern und Hofreiten an der Nidda wertvolles Gut und Vieh vor den Fluten.
Weitere Einsätze erfolgten zu Bekämpfung eines Brandes im Sägewerk Ußner, Unter-Schmitten, am 18. Januar 1942, sowie zur Löschung eines Waldbrandes im Bereich des Forstamtes Eichelsdorf am 30. Mai 1944.
Kurz nach Beendigung des 2. Weltkrieges, am 9. Juli 1945, wurde die Wehr zur Bekämpfung eines Brandes in Eichelsdorf, nachts um 2.30 Uhr, alarmiert und samt Motorspritze mit den Armeefahrzeugen der in Ober-Schmitten einquartierten Einheiten der amerikanischen Besatzungsarmee zur Brandstelle gefahren.
Am 18. 02. 1956 bekämpfte unsere Wehr in vorbildlichem Einsatz einen Großbrand im Anwesen Hugo Döll. Der Brand entstand um 7 Uhr durch Funkenflug aus der Asche eines Sägemehlofens. Es war ein bitterkalter Wintermorgen. Das Wasser gefror den Helfern an der Kleidung. Zwei junge Burschen wurden wegen Brandstiftung angeklagt, aber freigesprochen.

Großbrand 26.04.1939
An erster Stelle aber steht in der Vereinsgeschichte der größte und längste Einsatz bei der Hochwasserkatastrophe am 23. und 24. 12. 1967 in der eigenen Gemeinde. 17 Stunden ununterbrochene Hilfe waren erforderlich um Vieh und Gut zu retten, Schlamm zu beseitigen und Keller auszupumpen.

Hochwasser 13. 12. 1967
In den folgenden Jahren bis 2007wurde die Feuerwehr zu 83 Einsätzen gerufen. Neben kleineren Bränden, Hilfeleistungen bei Hochwasser, Beseitigungen von Oelspuren usw. gab es folgende Einsätze:
Gegen 11 Uhr am 20. 06. 1991 wurden die Feuerwehren Ober-Schmitten und Nidda wegen eines Brandes in der Trafostation der Papierfabrik in Ober-Schmitten alarmiert. Das Feuer konnte unter schwierigen Bedingungen –starke Rauch- und Qualmentwicklung – bis ca. 12.10 Uhr gelöscht werden. Es entstand ein Sachschaden von rund 5 Mio. DM, da durch den Brand die Stromversorgung und dadurch auch die Produktion außer Betrieb gesetzt wurden.
Um 2.30 Uhr am 12. 06. 1997 entdeckten Nachbarn in der Hainbergstraße ein Feuer in einer Garage und alarmierten die Feuerwehr. Die Wehren aus Ober-Schmitten, Eichelsdorf und Nidda konnten das Feuer löschen. Neben dem Gebäude wurden auch 3 Fahrzeuge beschädigt (Sachschaden 70.000 bis 80.000 DM).
Am 1. Weihnachtsfeiertag 2000 erfolgte in den Morgenstunden die Alarmierung wegen eines Wohnhausbrandes in Eichelsdorf. Die Wehren aus Nidda, Eichelsdorf, Ulfa, Ober- und Unter-Schmitten bekämpften gemeinsam das Feuer. Die im Wohnhaus anwesenden 10 Personen konnten sich, alarmiert durch einen Rauchmelder, unverletzt ins Freie retten. Die Bewohner, 5 Erwachsene und 3 Kinder verloren ihre Wohnung.
Am 04. 01. 2002 gegen 4 Uhr wurden die Wehren Nidda, Ulfa, Stornfels, Geiß-Nidda, Eichelsdorf, Ober-Schmitten, Bad Salzhausen und Unter-Schmitten wegen eines Großbrandes in Stornfels alarmiert. Es brannten ein Wohnhaus und zwei Scheunen.
Die extreme Kälte erschwerte den Einsatz der Feuerwehren. Da das Haus zu diesem Zeitpunkt nicht bewohnt wurde, entstand zum Glück kein Personenschaden. Der Sachschaden wurde auf 500.000 Euro geschätzt.
Entwicklung der technischen Ausstattung
Durch die Förderung der Gemeinde und später der Stadt Nidda, Unterstützung durch Spenden und den Einsatz von durch den Verein erwirtschafteten Mitteln sowie Eigenleistungen, wurde die Ausrüstung der Feuerwehr immer wieder der technischen Entwicklung angepaßt.
Aus der Zeit der Pflichtfeuerwehr wurde folgende Ausstattung übernommen
1 Feuerspritze von 1875
1 Saug- und Druckspritze der Firma Magirus von 1893
1 Hydrantenwagen von 1924
die in den folgenden Jahren erneuert und ergänzt wurde.
1935 Anschaffung einer fahrbaren mechanischen Leiter, 12 Meter lang.
1936 freute sich die Feuerwehr über ihre erste Motorspritze. Um die fachgerechte Bedienung sicherzustellen, wurden Mitglieder zum Maschinistenlehrgang an die Feuerwehrfachschule nach Mainz geschickt.

Maschinisten-Lehrgang 19. – 20. 04. 1937 Hess. Feuerwehrfachschule Mainz
Teilnehmer aus Ober-Schmitten:
3. v. rechts Willi Schäfer (gefallen)
5. v. rechts Adolf Ruppel
1960 wurde eine Sirene auf dem Geräthaus montiert.
Am 01. 04. 1962 wurde das erste Fahrzeug mit Motorspritze von Bürgermeister Helmut Schmollack und dem 1. Beigeordneten Paul Eitle an die Feuerwehr und ihren damaligen Kommandant Adolf Hofmann, im Beisein von Kreisbrandinspektor Klein, übergeben.

1. Fahrzeug
1972 übernahm die Wehr ein Löschgruppenfahrzeug vom Typ LF 8, mit dem schon in den
anliegenden Ortschaften der Großgemeinde zweckdienliche Hilfe geleistet wurde.
1977 wurde das erste Mannschaftstransport-Fahrzeug (MTF) – ein VW-Bus – aus Eigenmitteln des Vereins gekauft und hergerichtet.
1981 wurde das 2. MTF – ebenfalls ein VW-Bus – ohne Zuschüsse erworben und ebenfalls in Eigenhilfe umgebaut.
1985 mußte diese MTF erneut ersetzt werden. Es wurde ein Ford Transit erworben und ausgebaut.
1998 wurden die ersten 10 Funkmeldeempfänger erworben. Auch diese Anschaffung (10.000 DM) wurde vom Verein ohne Zuschüsse geleistet.
Am 07. 11. dieses Jahres erhielt die Wehr eine neue Motorspritze (TS).
2005 kaufte die Feuerwehr als Ersatz für den in die Jahre gekommen Transit einen Opel Movano, der zu einem erheblichen Anteil in Eigenhilfe (über 260 Arbeitsstunden) zum neuen MTF umgebaut wurde. Die Schlüsselübergabe erfolgte am 13. 05. 2006 durch Frau Bürgermeisterin Puttrich.
Das Gerätehaus
1936 wurde das neue Gerätehaus errichtet, welches am 05. 06. 1938 eingeweiht wurde. Das Gebäude wurde von der Wehr (Erdgeschoß) und der Gemeindeverwaltung (1. Stock) gemeinsam genutzt.
1987 wurden die Holztore gegen moderne Metall-Sektionaltore ausgetauscht.
1994 Erweiterung des Anbaus und Installation einer WC-Anlage.
1999 wurde das Gebäude renoviert. Der Anstrich der Außenwände und der Ausbau eines Schulungs- und Aktenraumes wurde in Eigenhilfe vorgenommen, wobei das Material durch die Stadt und div. Spendern zur Verfügung gestellt wurde.
2001 Anbau eines Spindraumes, der – außer den Spenglerarbeiten – ebenfalls in Selbsthilfe errichtet wurde.
Die angenehmsten Zeiten
Neben der Durchführung und Beteiligung der Wehr an vielen örtlichen Veranstaltungen wurden folgende Feste gefeiert:
25jähriges Jubiläum am 21. und 22.06.1958
Kreisfeuerwehrfest 1962 vom 07. bis 09.07.
50 Jahre Freiwillige Feuerwehr vom 27. bis 30. Mai 1983

Fest 1983 Aktive
U. Hofmann, H. Kirchhof, E. Velten, B. Lenz, K. Blum, K. Ludwig, R. Ruck, Th. Stock, Th. Blum,
E. Kirchhof, P. Hofmann, A. Schmitt, W. Schmidt, H. Schultheis, H. Schmollack, K. Schmitt, St. Wirth,
M. Rau, St. Kunz, W. Laas , A. Wirth, G. Blum, A. Lenz, N. Smolik, C. Schultheis, R. Hofmann

Fest 1983 Vorstand und Festausschuss
A. Wirth, R. Ruck, P. Hofmann, G. Blum, A. Lenz, K. Ludwig, E. Velten,
H. Schmollack, K. Schmitt, R. Eberhard, A. Prasse, E. Melius, H. Weber, E. Kirchhof, W. Schmidt
Nicht auf dem Bild: P. Schmollack, D. Krauss
Unsere Jugendfeuerwehr
In der Jahreshauptversammlung am 23.01.1988 wurde die Gründung einer Jugendfeuerwehr beschlossen.
Der erste Jugendwart Bernd Lenz konnte mit seinen Stellvertretern Henning Kirchhof und Thorsten Blum mit 16 Gründungsmitgliedern ( 13 Jungen und 3 Mädchen ) seine neue Aufgabe beginnen.

Die Jugendfeuerwehr 1988
Henning Kirchhof (stellv. Jugendwart), Jörg Velten, Jan von Dahlen, Achim Weidmann, Mario Reichmann,
Daniel Stock, Stefan Velten, Bernd Lenz (Jugendwart)
Roman Gottschalk, Alexander Reichmann, Gerd Lenz, Peter Wohlfahrt, Marco Schmidt,
Torsten Blum (stellv. Jugendwart)
Nach einem Tief in der zweiten Hälfte der 90er Jahre ist die Jugendfeuerwehr per 31.12.2006 auf 34 Mitglieder angewachsen ( 29 Jungen und 5 Mädchen ).
Die Aufgabe des Jugendwartes übernahm ab März 1996 bis zu den Neuwahlen im März 1998 Henning Kirchhof, da Bernd Lenz aus beruflichen Gründen zurückgetreten war. Sein Stellvertreter wurde Hauke Ratz. Bei den Neuwahlen wurde Hauke Ratz zum neuen Jugendwart und Henning Kirchhof zu seinem Stellvertreter. Das Team wurde von November 2000 bis zu seinem tragischen Tod durch Roberto Di Mari verstärkt.
Die Jugendfeuerwehr nimmt jährlich an zahlreichen Wettkämpfen und Leistungsprüfungen teil:
Es wurden sowohl gute wie auch schlechtere Platzierungen erreicht.
Besonders erwähnt sei:
1990, 2001 und 2006 war Ober-Schmitten Ausrichter des jeweiligen Zeltlagers mit Lagermeisterschaften, im Jahr 2003 wurde der Leistungsmarsch ausgerichtet.
Traditionell werden im Januar die Weihnachtsbäume eingesammelt.
Neben dem in Übungen vermitteltem feuerwehrtechnischen Wissen kommen aber auch Spiel und Spaß nicht zu kurz. Z. B. werden Radtouren und Nachtwanderungen durchgeführt, das Schwimmbad besucht, Spiele-, Bastel- oder Grillabende veranstaltet..
Die jüngste Abteilung, die Feuerwehrknirpse
Im Mai 2004 wurde entschieden, die erfolgreiche Jugendarbeit durch die Gründung einer neuen Abteilung, den Feuerwehrknirpsen, für 6 bis 10jährige Mädchen und Jungen zu ergänzen. Die offizielle Gründungsfeier fand am 28.08.2004 statt. Bei der Gründungsfeier hatten die Feuerwehrknirpse bereits 28 Mitglieder.
Die Betreuung der Feuerwehrknirpse wurde von Antje Ratz, Gundhild Moufang und Gül Di Mari übernommen. Nach dem Rücktritt von Gül Di Mari wird die Gruppe von Antje Ratz und Gundhild Moufang betreut.
Die Betreuerinnen haben sich zum Ziel gesetzt, die Knirpse über Spiel und Spaß an die Aufgaben der Feuerwehr heranzuführen und Brandschutzerziehung zu vermitteln.
Abschließend wünschen wir, dass die Feuerwehr in den folgenden Jahren nicht zu großen Brand- oder Naturkatastrophen gerufen werden muss.
“Gott zur Ehr´, dem Nächsten zur Wehr –
Einer für Alle, Alle für Einen”.
Die Ortsbrandmeister, Wehrführer und Vorsitzende
| Ortsbrandmeister/Wehrführer | 1. Vorsitzender | |
| 1933 - 1951 | Richard Hofmann | Richard Hofmann |
| 1951 - 1967 | Adolf Hofmann | Adolf Hofmann |
| 1967 – 1970 | Gerhard Wagner | Gerhard Wagner |
| 1970 – 1971 | Horst Otto Schäfer | Gerhard Wagner |
| 1971 – 1984 | Gerhard Blum | Gerhard Blum |
| 1984 – 1998 | Alfred Lenz | Alfred Lenz |
| 1998 – 2003 | Roland Ruck | Alfred Lenz |
| Seit 2003 | Klauspeter Hofmann | Roland Ruck |






